grüne Blätter

Geologie

Die Gemeinde Mömlingen liegt von bewaldeten Höhen des nördlichen Odenwaldes umrahmt unweit der bayrisch-hessischen Landesgrenze.

Die Geologie Mömlingens wird geprägt durch Buntsandstein und vereinzelte Basaltvorkommen, die in Verbindung stehen mit Eisenerzlagerstätten.

 

Entstehung des Buntsandsteins

Der Mömlinger Sandstein gehört zum Buntsandstein, einer im Odenwald rund 500 m mächtigen Ablagerung, die in der unteren Trias-Zeit zwischen 251 und 243 Millionen Jahren vor unserer Zeit entstand.

 

Damals prägte ein flaches Wüstenbecken ganz Mitteleuropa, das sich auf etwa gleicher geographischer Breite wie Nordafrika heute befand. Das Klima war heiß und trocken, und entsprechend waren Flora und Fauna eher artenarm und auf die harten Lebensbedingungen spezialisiert.

 

Wasser war zwar rar in dieser Landschaft, doch gelegentliche Starkniederschläge konnten wegen der fehlenden Pflanzendecke schlagartig gewaltige Mengen Sand und Schlamm transportieren. In breiten, stark verflochtenen Flusssystemen wurde das Material in der weitläufigen Ebene verteilt. Während sich der Boden des Wüstenbeckens immer weiter absenkte, gelangten immer neue Sand- und Tonschichten in das Becken. In den älteren, bereits überlagerten Sandschichten zirkulierten wässrige Lösungen, die die ursprünglich losen Sandkörner mit Ton, Quarz und Kalk zu einem festen Sandstein verkitteten. Seine rote Farbe erhielt der Buntsandstein durch Eisenoxid, das als feine Häutchen die einzelnen Sandkörner überzieht und auch im Bindemittel enthalten sein kann. Fehlte das Eisenoxid, oder wurde es nachträglich abgeführt, entstand ein weißer Sandstein.

 

Der Blick auf die Steinbruchwand zeigt einen Schnitt durch die Sandsteinschichten und damit eine zeitliche Abfolge von Ablagerungsereignissen. Mehrfach folgen massige, teilweise mehrere Meter dicke Sandsteinbänke und blättrig abwitternde, feinkörnigere Ton- und Siltsteinlagen aufeinander. Während die gröberen Sandsteinablagerungen bei stärkeren Strömungen abgelagert wurden, entstanden die Ton– und Siltlagen bei geringer Strömung oder in stehendem Wasser. In diesen feinkörnigen Lagen haben sich auch Wellenrippeln erhalten.

 

Fielen die Oberflächen wieder komplett trocken, konnten auch Umlagerungen durch Wind stattfinden. Dabei entstanden Dünen – wie in heutigen Wüsten auch – aus von Wind zusammengewehtem Sand.

 

Die Geschichte der Mömlinger Sandsteinbrüche

Die Sandsteinbrüche in Mömlingen hatten ihren Ursprung in den Jahren 1831 und 1832, als Fürst Löwenstein für sein Hofgut auf seinem Grundstück in der Flur „Rauschen“ Steine brechen ließ. Dieses Gelände liegt heute am nördlichen Ende der großen Steinbrüche am Königswald.

 

Als die Gemeinde für die Errichtung der Knabenschule Bausteine benötigte, legte sie neben dem fürstlichen Steinbruch nach und nach entlang des Hanges in der gleichen geeigneten Buntsandsteinlage weitere Brüche an.

Auch wenn die Arbeit in den Steinbrüchen sehr hart war, nutzten viele junge Leute die Möglichkeit, als Steinhauer zu arbeiten, da die Landwirtschaft kein gesichertes Einkommen bot.

 

Ihre Blütezeit hatten die Mömlinger Sandsteinbrüche zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg. Das abgebaute Material wurde auf dem Wasserweg über den Main vorwiegend nach Frankfurt transportiert.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg gerieten die Betriebe in Schwierigkeiten.

Nur der 1932 auf dem Gelände des ehemaligen fürstlichen Steinbruchgeländes durch Willi Schnatz eröffnete Betrieb arbeitete langfristig wirtschaftlich erfolgreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er vor allem beim Wiederaufbau des Mainzer Doms und des Schlosses in Aschaffenburg viele Restaurierungsaufträge übernehmen. Auch im Goethe-Haus in Frankfurt ist Mömlinger Sandstein verbaut.

 

Sinkende Nachfrage nach Naturstein und die durch meterhohe Abraumschichten erschwerten Abbaubedingen führten 1964 zur endgültigen Stilllegung der Steinbrüche.

 

Basalt und Eisenerz

Neben dem vorherrschenden Buntsandstein gibt es in Mömlingen auch vereinzelte Basalt- und Eisenerzvorkommen.

Basalt ist ein dunkles, magnesium- und eisenreiches, dafür kieselsäurearmes, feinkörniges vulkanisches Gestein.

Das bekannteste Basaltvorkommen ist der so genannte Basaltbruch im Buchberg. Dort wurde von 1851 bis 1928 zunächst im Tagebau und später dann auch unterirdisch Basalt abgebaut. (als weiterer Geopunkt in Vorbereitung)

 

Die Eisenerzlagerstätten in Mömlingen sind an die Basalt- und Basalttuff-Vorkommen gebunden, die vor 50 bis 40 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität entstanden. Etwa 1100°C heiße Gesteinsschmelzen drangen an Spalten durch den Buntsandstein auf, erkalteten unter der Erdoberfläche oder wurden durch Vulkanausbrüche an die heute abgetragene Landoberfläche gefördert. Nach den Vulkanausbrüchen führte die Restwärme des in den Vulkanschloten erstarrten Materials zur Zirkulation von Grundwasser. Dabei wurde Eisen aus dem Buntsandstein gelöst und am Kontakt zum Basalt bzw. Basalttuff angereichert.

Der Eisenerzbergbau bei Mömlingen ist bereits in einer Urkunde von 1385 belegt. Sie erwähnt eine „Ysingrube“, bei der es sich wahrscheinlich um das so genannte Mühlhansenloch handelt. Der Name „Mühlhansenloch“ geht auf einen ehemaligen Besitzer dieser Eisenerzgrube zurück, den um 1600 belegten Hans Müller, genannt „Mühlhans“.

Das Eisenerzvorkommen im so genannten Eichwäldchen (Grube Berta) wurde dagegen erst 1826 durch den Besitzer des Laufacher Hammers, Heinrich Gemeiner junior, erschlossen. Rund 12 Jahre wurde seit dieser Zeit im Schachtbau Eisenerz gewonnen und mit Fuhrwerken nach Laufach transportiert, bis die Grube „Berta“ 1838 nach einem heftigen Wassereinbruch stillgelegt werden musste.

Noch heute erinnern die Halden und Pingen an den Bergbau im Eichwäldchen. (siehe Geopark-Pfad „Feuer und Wasser“)

Wirtschaftlich am bedeutsamsten für Mömlingen war aber mit Sicherheit die Sandsteinindustrie.